Seit knapp 100 Jahren wird in unserer Familie und auf unserem Hof gebrannt. Vor 21 Jahren hat mein Vater in ein neues Brenngerät der Firma Adrian investiert und sein Hobby, das Brennen, stärker fokussiert. Seitdem fanden immer schon Verkostungen bei uns statt, nämlich in der Probierstube im Keller des Wohnhauses meiner Eltern. Auch der Verkauf und die Verarbeitung der Destillate, also das Zurücksetzen, die Filtration, die Abfüllung und Lagerung, all das spielte sich im Keller meines Elternhauses ab. Die Kunden hatten sofort Familienanbindung und wir ein gutes Fitnessprogramm beim Transport der Flaschen und Utensilien vom Hof bergauf zum Haus, treppab in den Keller und wieder zurück. Doch dem wird bald ein Ende sein.

Drei Jahre voller reiflicher Überlegungen, Pläne schmieden und verwerfen, Wände einreißen und neubauen liegen hinter uns. Die Idee war klar: nicht nur logistisch sinnvolle Arbeitsräume und ein neuer Verkaufs- und Verkostungsraum sollten her, sondern vor allem auch ein Ort, an dem Genießer ihrer Passion in aller Ruhe nachgehen können. Ein Ort, an dem erstklassige Brände, Whisky, Gin und Co. die Hauptrolle spielen.
Doch das Wie und Wo waren nicht so einfach. Das 100 Jahre alte Wohnhaus (in dem ich mit meiner kleinen Familie wohne) umbauen? Ehemalige Stallungen am Hof umbauen? Am Ortsrand auf der grünen Wiese neu bauen?
Letztendlich, nach Bauberatungen durch die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau und durch das Dorferneuerungsprogramm, haben wir das Architektenbüro Schlicht & Lamprecht beauftragt und gemeinsam einen Plan erarbeitet. Die Entscheidung fiel auf die Umnutzung des bestehenden Hofes durch Modernisierung von Arbeitsräumen und den Neubau: Die Destillathek.

Soweit, so gut. Im Februar 2016 wurden Bauantrag und Förderantrag eingereicht und im Juni 2016 bekamen wir dann den Förderbescheid vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Endlich durften wir loslegen mit Punktfundamenten und Bodenplatte. Bei der Bauweise entschieden wir uns für einen Fertigbetonteilebau durch die Firma Schick. Bereits zu den Tagen der Edlen Brände im Oktober 2016 wurde der Rohbau gestellt. Fenster und Dachabdichtung wurden auch noch in 2016 begonnen – bis der Winter einbrach und Schmuddelwetter Einzug hielt. Im Februar ging es dann weiter: Abdichtung, Estrich, Heizung, Elektrik, Außenanlagen auffüllen, Gelände modellieren, Nebengebäude modernisieren, neue Böden, Heizung, Fassade. Nun ist es fast geschafft.
Seit Kurzem laufen die Arbeiten für die Inneneinrichtung: Böden, Küche, Möbel. Ab Ende Mai wollen wir zumindest schon den Innenbereich der Destillathek nutzen. Bei gutem Wetter widmen wir uns den Außenanlagen: pflastern und begrünen. Und so hoffen wir also, dass wir rechtzeitig fertig sein werden: Am 15. und 16. Juli wollen wir ja immerhin mit Euch feiern. Und zwar so richtig. Also haltet Euch das Wochenende frei! Das Festprogramm findet ihr hier.

Nur schade, dass bei dem ganzen Bauspaß so manch anderes auf der Strecke bleibt. Beispielsweise die Fertigstellung neuer Produkte (und da wartet schon wieder einiges!) oder eben auch meine… Prüfungsvorbereitung!! #OHSHIT!
Richtig, ich lege gerade die Abschlussprüfung zur staatlich anerkannten Brennerin ab. Gut, man sollte ja meinen, dass ich brennen kann. Und ich habe auch das Gefühl, dass die schriftliche und sensorische Prüfung vor circa einem Monat ganz gut gelaufen sind. Aber die praktische Prüfung steht noch aus. Die findet nächste Woche in der Nähe von Landshut statt. Und weil ich so viel Zeit habe, um mich bestens auf meine Prüfung vorzubereiten, hat sich nun auch Florian Danner vom Fernsehen angemeldet und will bei der Prüfung filmen.

Ach, apropos Fernsehen, falls ihr zufällig am 28. Mai sonntags Abend gemütlich zuhause vor dem Fernseher sitzt: vergesst mal ‚Galileo‘ oder ‚Ab ins Beet‘. Im Bayerischen Fernsehen (BR) läuft um 19.15 Uhr ‚Unter unserm Himmel‘ mit einer Folge über die Seitentäler der Fränkischen Saale. Autor Klaus Röder war im vergangenen Jahr mit seinem Team in Engenthal, Feuerthal und Untererthal unterwegs und hat auch einen Abstecher nach Wartmannsroth zu einer jungen Brennerin gemacht. Ich bin mal gespannt, was dabei rausgekommen ist.

Ihr seht, es geht rund in diesen Tagen. Daher finde ich auch nur selten Zeit dazu, im Blog zu schreiben oder Newsletter zu verfassen. Ihr werdet es mir nachsehen. Letztendlich bin ich ja doch nur eine Brennerin. Ach, Entschuldigung, DIE Brennerin ;).